Tönnies-Skandal

Hallo meine lieben Genuss-Indianer*innen,

Ihr habt alle von dem Skandal bei Tönnies gehört. Ich meine nicht Covid-19, sondern die katastrophalen Arbeitsbedingungen einer Tötungsmaschinerie, nur um billig Fleisch zu produzieren. Dass da auch Covid-19 kursiert, ist bei den Bedingungen nur logisch. 

Der Skandal ist nicht, dass es passiert ist, sondern, dass alle weg geschaut haben,  auch die Politiker, und so etwas in Deutschland, in Europa , auf unserer Welt, überhaupt erst geschehen konnte.
Und Tönnies ist und wird nicht der einzige Großbetrieb sein, in dem so etwas passiert. Ich erinnere an Wilke.


Da wurden Menschen ausgebeutet, sie in menschenunwürdigen Verhältnissen untergebracht, nur damit man günstig Fleisch auf einem 800€-Webergrill grillen kann?

Ach ja, das ist auch für mich unverständlich.

 
Es wird bei allem auf Qualität geachtet. Mein Haus, mein Auto, meine Yacht. Jedoch bei LEBENSmitteln wird auf Quantität geachtet, da muss es günstig sein, denn Essen ist ein notwendiges Übel, da wir Essen und Trinken MÜSSEN. Und was man täglich muss, kann gar keinen Spaß machen.

Meine Überlegung diesbezüglich ist, dass z. B. Klamotten nicht in einem Supermarkt gekauft werden, weil jeder weiß, dass es dann nur billiger Ramsch sein kann. Man geht zu einem Fachverkäufer. 

Warum verbietet man nicht den Fleischverkauf in Supermärkten und erlaubt nur Fachgeschäften, also Fleischereien und Metzgerein, den Verkauf von Fleisch? Dort kann man eine Verpflichtung besser durchbringen, dass die Metzger dem Verbraucher genau sagen können müssen, wo und wie das Tier gelebt hat, wer es geschlachtet hat, womit es gefüttert wurde, etc. 

Zudem muss man nicht jeden Tag Fleisch essen. Warum heißt der Sonntagsbraten wohl Sonntagsbraten? Weil es Fleisch nur am Sonntag gab.
Ich weiß, es gibt Menschen, die können sich teures Fleisch bei einem Metzger nicht leisten. Rechnet man aber das billige Fleisch, dass sie jeden Tag essen, zusammen, könnten sie sich ebenso ein gutes Stück Fleisch am Sonntag leisten. 

Achtet man nicht auf Qualität bei Lebensmitteln und geht nur mit der Geiz-ist-geil-Mentalität einkaufen, Hauptsache etwas auf dem Teller, wird sich nicht viel ändern. Weder für die Tiere noch für uns Menschen. 

Politiker sollten an das Wohl derer denken, die sie gewählt haben und nicht an das eigene Portemonnaie oder das der Großindustriellen mit Lobbyisten in der Regierung. 

Die Gesetze, die für Lebensmittel gemacht wurden und werden, sind nicht für die Gesundheit der Verbraucher oder für das Tierwohl gemacht, sondern für die Großindustriellen. Hier ein Schlupfloch lassen und dort etwas entscheiden, damit noch günstiger hergestellt werden kann, noch mehr Chemie genutzt werden kann, um Ernten noch ertragreicher zu machen. Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und Tiere? Egal.
Die Werbung verspricht dann vollmundig gesunde Lebensmittel, Tiere, die glücklich gelebt haben, nur um unser Gewissen zu beruhigen und noch mehr Umsatz machen zu können. 

Hat mal jemand die Tiere gefragt? Klingt jetzt komisch, ich weiß. 

Die Mindestgröße der Stallfläche pro Sau bei einer Gruppenhaltung bis max. 5 Tieren beträgt 2,5 qm. Also muss ein Stall für 5 Schweine mindestens 12,5 qm „groß“ sein. Das ist etwa die Größe eines Schlafzimmers. Und da leben dann fünf Schweine. Unvorstellbar. Das Schöne daran ist, das ist die empfohlene Mindestgröße eines BIO-Stalls. Hat ein Schwein in so einem Zimmer genügend Auslauf?
Wenn es gefragt werden würde, es würde sagen, nein, viel zu klein.

Jetzt stell` Dir mal vor, wenn KEINER mehr Fleisch im Supermarkt kauft, sondern NUR noch beim Metzger um die Ecke. Wir kaufen nur noch Fleisch von Tieren, die ein glückliches Tierleben hatten, sich frei bewegen konnten, ein richtiges „Sau“leben gehabt haben. Wir kaufen nur noch Fleisch für besondere Anlässe, nur für den Sonntagsbraten. Ein schöner, wenn auch unrealistischer Gedanke, oder?

Es ist doch so … wir als Verbraucher haben die beste Waffe der Welt, die es gibt.
Unser Portemonnaie.
Alle wollen nur unser Bestes, nämlich unser Geld.
Es gäbe keine Großindustrie mehr, die sich nicht um das Tierwohl und nicht um die Gesundheit der Verbraucher Gedanken macht. Es gäbe keine Großschlachtereien mehr, die billige Arbeitskräfte aus dem Osten holen, diese, genau wie Schweine, auf engstem Raum unterbringen, um Geld zu sparen, für noch mehr Umsatz. 

Oder es kauft niemand mehr Erdbeeren im Winter oder Obst und Gemüse, das einmal um die Welt geflogen wurde. Es gäbe keine riesigen Flächen in Spanien, die mit Plastik abgedeckt sind, um das ganze Jahr Tomaten oder Auberginen zu ernten. Es würde keinen Gewinn bringen und schon wird es aus dem Sortiment genommen, die Fleischtheken geschlossen, weil es nicht mehr rentabel ist. Für die Supermarktketten ist der Gewinn ausschlaggebend.

Klar will der einfache Bürger auch gerne Fleisch essen. Wenn man jeden Tag billiges Fleisch isst, kostet es jedoch genauso viel wie einmal am Sonntag richtig gutes Fleisch.
Dann freut man sich auf das gute Essen und genießt es umso mehr. 

Ich hoffe, dass durch Tönnies und auch durch Corona mal ein Ruck durch die Gesellschaft geht. 

Die Gesellschaft ist ein Ich-Produkt. Ich hoffe, dass die sie  ein Wir-Produkt wird. WIR sind stärker als die Industrie, WIR haben durch Masken tragen das Virus eingedämmt, WIR können was ändern. WIR wählen die Politiker, also Du Politiker, regiere für UNS und nicht für den Profit.

Ich wiederhole mich. Supermärkte oder die Hersteller “industriell hergestellter LEBENSmittel” wollen UNSER Geld.

Ich hoffe, dass die Verbraucher wach werden und merken, dass wir durch Werbung, durch Gesetze und durch die Lobbyisten geführten Politiker verarscht werden. 

Liebe Genuss-Indianer*innen,
kauft saisonal und regional, ernährt Euch gesund, achtet darauf, was ihr kauft und hinterfragt jede Werbung. 


Es ist nicht zu spät, die Pandemie gibt uns die Chance, etwas zu ändern. WIR können etwas ändern.

In diesem Sinne,

bleibt neugierig

Euer Karsten 

Karsten Stockhecker
Über Karsten Stockhecker 36 Artikel
Mein Name ist Karsten Stockhecker. Ich bin 1964 geboren. Durch mein Diabetes interessiere ich mich seit mehr als zehn Jahren schon dafür, was in welchem Lebensmittel steckt. Es ist ein interessantes und umfangreiches Thema. Ich hoffe, dass ich durch meine Beiträge ein wenig Licht ins Dunkle bringen kann.

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