Hallo meine lieben Genuss-Indianer,

letztens habe ich mich in einem Supermarkt gefragt, wie ein Kilo Bratwurst nur 3,90€ oder überhaupt das Fleisch- und Wurstangebot in der Kühltheke so günstig sein kann.
Teilweise ist Fleisch günstiger als Obst oder Gemüse.
Schaut man sich die Preisentwicklung von 2012 bis 2016 an, so ist der Preis für Obst (16.4%) und Gemüse (11,9%) höhre gestiegen als für Fleisch (4,3%).
Aber warum ist das so?

Nun, die Industrie produziert so billig wie möglich, um mehr Gewinn zu erwirtschaften. Wer dabei auf der Strecke bleibt, könnt ihr Euch denken, liebe Genuss-Indianer, das sind die Verbraucher. Das Produkt wird entweder mit Separatorenfleisch gestreckt oder damit hergestellt.

Was ist dieses Separatorenfleisch?
Die offizielle, verbraucherfreundliche Antwort auf diese Frage ist folgende:
Separatorenfleisch ist das Fleisch, welches nicht von Hand mit dem Messer vom Knochen entfernt werden kann. Es wird anschließend maschinell entfernt.
Schaut man aber genauer hinter den Herstellungsprozess, dann sieht es anders aus, ich möchte nicht ekliger sagen, doch es ist leider so.

Bei der Herstellung wird nicht das Fleisch vom Knochen entfernt, sondern mit dem Knochen zerkleinert und mit sehr hohem Druck durch löchrige Zylinder gepresst oder durch Hochdruckwalzen bearbeitet. Dadurch wird das Fleisch vom Knochen separiert, daher auch der Name Separatorenfleisch. Man hat zum Schluss einen Fleischbrei. Ob man es nun noch Fleisch nennen darf, ist eine andere Sache.
Es kann bei der Produktion nicht ausgeschlossen werden, dass Knochen- oder Sehnenreste, Nervengewebe oder Rückenmark in die Produktionsstufen gelangt. Die Reste enthalten z.B. Prionen, die als Auslöser der Creutzfeld-Jakob-Krankheit gelten.

Prionen sind Proteine, die im tierischen Organismus als normal oder auch in gesundheitsschädigenden Strukturen vorliegen können. Das Wort Prion setzt sich aus den englischen Wörtern Protein und infection zusammen. Es handelt sich also nicht um Lebewesen, sondern um organische Toxine (Gifte) mit virusähnlichen Eigenschaften. Während des BSE-Skandals kam das Separatorenfleisch sehr stark in die Kritik.

Seit dem 1.10.2000 ist die Herstellung und Verarbeitung vom Restefleisch von Rindfleisch verboten. Bei Schweine- oder Geflügelfleisch darf es jedoch verwendet werden, muss aber als Separatorenfleisch auf dem Etikett deklariert werden.
Habt ihr schon einmal das Wort auf einem Etikett gesehen? Ich nicht.

Eine Sicherheit, ob man gutes Fleisch oder Restefleisch auf dem Teller hat, gibt es für den Verbraucher nicht. Sogar die Verbraucherzentrale schreibt auf der eigenen Homepage, dass die Verarbeitung mittlerweile so gut ist, dass es schwer wird, das Restefleisch in einem Produkt zu identifizieren.
Am besten kauft man sein Fleisch nur noch beim Metzger seines Vertrauens und nicht im Supermarkt.

Ist das Restefleisch ungesund?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Geht man davon aus, dass bei der Produktion alles sauber abläuft, also unter den entsprechenden Standards, so ist es ungefährlich. Doch zu oft hat die Industrie bewiesen, dass Quantität und billig vor Qualität des Fleisches steht. Das fängt schon mit den Bedingungen bei der Aufzucht der Tiere an und geht weiter bei den schlechten Bedingungen der Wanderarbeiter aus dem Osten.

Habt ihr gewusst, dass Separatorenfleisch, welches mit Salmonellen belastet ist, weiter verarbeitet werden darf? Allerdings nur in wärmebehandelte Fleischerzeugnisse. Das kann doch nicht wahr sein, oder?

Meine lieben Genuss-Indianer, wenn wir nur noch regional und saisonal einkaufen, nicht mehr in Supermärkten, sondern direkt beim Bauern oder, wie gesagt, beim Fleischer des Vertrauens, dann wird es die Industrie merken, dass man uns nicht verarschen kann. Entschuldigt bitte den Ausdruck.

Können wir was erreichen?
Wir haben die stärkste Waffe, die es gibt. Das ist unser Portemonnaie. Wenn wir etwas nicht mehr kaufen, macht die Industrie keinen Gewinn und verliert dann die Lust, so etwas weiter zu produzieren. Wir stärken weiterhin die regionalen Hersteller um die Ecke, die noch auf Qualität und nicht auf Quantität setzen

 

Bleibt neugierig und überlegt lieber einmal mehr nach, was ihr wo einkauft.

Euer Karsten